Das andere Spanien

von Annett Schönfeld erstellt am 11.09.2017

Bisher dachte ich in Verbindung mit Spanien zuerst an Sonne, Andalusien und Flamenco. Dass dieses großartige Land weit mehr zu bieten hat, davon konnte ich mich im Juni 2017 überzeugen. Denn Nordspanien räumt auf mit den klassischen Vorstellungen – hier ist die Sonne kein Dauergast, aber dafür sorgen die regenschwangeren Wolken des Atlantiks für viel erfrischendes Grün. Im küstennahen Hinterland erhebt sich eine vielfältige Mittelgebirgslandschaft, mondäne Badeorte wie Santander und San Sebastian laden zu Spaziergängen an endlosen Stränden ein. Die fruchtbaren Hügel der Rioja beeindrucken mit tausenden knorriger Rebstöcke und die höchsten Gipfel der Kantabrischen Kordilleren verlangen danach erwandert zu werden. Nicht zu vergessen in dieser Aufzählung sind die geschichtsträchtigen Städte entlang des Jakobswegs – das lebhafte Pamplona sowie Leon & Burgos mit mächtigen Kathedralen.

Auch die kulinarischen Genüsse kommen in dieser Region nicht zu kurz. Die nordspanische Version der Tapas heißt pintxos, da diese mit einem Zahnstocher aufgespießt und teilweise kunstvoll drapiert werden. In vielen Städten z. B. in Bilbao gibt es regelrechte pintxos-Meilen – hier reiht sich eine Bar an die andere. Nach einem Glas tiefroten Wein und 1-2 Häppchen zieht man weiter zum nächsten Lokal.

Der Norden der Iberischen Halbinsel lässt sich sehr gut und ganz individuell mit einem Mietwagen erkunden. Insgesamt haben wir an sieben unterschiedlichen Orten Halt gemacht:

Bilbao – die 1. Station unserer Reise erreichen wir mit Vueling auf direktem Wege von Berlin-Tegel. Nach der Übernahme unseres Autos fahren wir direkt ins Zentrum der Industriestadt am Rio Nervión. Früher bekannt durch seine Stahlindustrie hat sich die Stadt in den letzten Jahren sehr gemausert. Brachliegende Industrieflächen wurden saniert und die Altstadt aufgehübscht. Hier gruppieren sich um die Plaza Nuevo Häuser aus dem 19. Jahrhundert, zahlreiche kleine Geschäfte, Bars und Kneipen.   Ein Muss für Kunst- und Architekturliebhaber ist das Guggenheim-Museum, welches 1997 eröffnet wurde.

Santander – entlang der Küstenstraße erreichen wir die Hauptstadt der Autonomen Gemeinschaft Kantabrien. Diese liegt an einer weitgeschwungenen Bucht und traumhafte Sandstrände laden zum Verweilen ein. Die Wassertemperaturen im Golf von Biskaya klettern im Sommer auf etwa 20° C. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts entdeckten der Adel und reiche Familien aus Spanien sowie ganz Europa die Vorzüge, die Sommerferien am Meer zu verbringen. So entstand der Stadtteil El Sardinero mit Luxushotels, Casino, kleinen Sommerpalästen und Villen aus der Gründerzeit. Die Halbinsel Peninsula de la Magdalena bildet mit Ihren Flanierwegen und Schirmpinien eine städtische Oase auf deren höchster Stelle der Palacio Real thront.  

Picos de Europa – nach Stopps bei den Sanddünen von Liencres,  in Comillas und einem Spaziergang zur Wehrkirche von San Vicente de la Barquera verlassen wir die Atlantikküste auf dem Weg Richtung Tama. Von Norden kommend schlängelt sich die schmale Nationalstraße durch den Desfiladero de la Hermida – eine spektakuläre knapp 20 km lange Schlucht des Río Deva. Hier bekommen wir einen ersten Eindruck vom Nationalpark Picos de Europa. Das imposante Kalksteinmassiv ragt nur etwa 25 km entfernt vom Meer empor. Das größte Naturschutzgebiet Spaniens überrascht mit saftig grünen Almwiesen und schroffen Zweitausendern – ein Paradies für Wanderfreunde!

In den folgenden Tagen sind auch wir auf Schusters Rappen unterwegs. Wir wandern entlang der bezaubernden Schlucht des Río Cares, erklimmen den Pass Collado de los Horcados Rojos (2359 m) und genießen vom Picu Cutriales einen erstklassigen Blick auf die Picos de Europa. Gemütliche kleine Weiler wie z. B. Tudes oder Potes, der Hauptort des Landstriches Liébana, sind wie geschaffen um eine Pause einzulegen.  
 
León – weiter geht es ins Landesinnere. Zuerst überwinden wir den landschaftlich schön gelegenen Pass Puerto de San Glorio (1609 m) und unternehmen dann einen Abstecher zum Mirador de Llesba. Hier unterbrechen wir unsere Fahrt für eine knapp 3 stündige Wanderung durch ein idyllisches Tal übersät mit gelbem Ginster und hunderten von Kühen, ein Flüsschen plätschert gemütlich dahin und Gänsegeier kreisen über uns in den Lüften. Vorbei am Stausee Embalse de Riano erreichen wir am Nachmittag die alte Königsstadt León. Ein kulturelles Highlight ist die Kathedrale Santa María de Regla mit ihren prachtvollen Buntglasfenstern. In der Altstadt mit dem Kneipenviertel Barrio Húmedo pulsiert das Leben. In León treffen wir erstmals auf den klassischen Jakobsweg – den Camino Francés –  und es wimmelt von Pilgern aus aller Herren Länder.

Burgos – auf dem Weg zur grünen Stadt am Río Arlanzón durchqueren wir die Meseta – eine Hochebene mit schier endlosen Getreidefeldern. Die Sonne brennt, das Thermometer zeigt 35°C und während wir im klimatisierten Auto unterwegs sind, wird den Jakobspilgern auf diesem Stück des Weges einiges abverlangt. Das geschichtsträchtige Burgos gefällt uns ausgesprochen gut. Entlang des Flusses kann man auf Platanen bestandenen Promenaden flanieren, ein Juwel ist die gotische Kathedrale und der Arco de Santa María markiert den Eingang zur Altstadt.

Logroño – die Hauptstadt der Rioja liegt am Río Ebro. Während diese am Nachmittag unter der Sonnenglut wie ausgestorben wirkt, füllen sich am Abend die Plätze und Gassen der Altstadt. Von hier aus lassen sich Ausflüge ins mittelalterliche Laguardia oder nach Haro unternehmen und zwischendurch gibt es zahlreiche Bodegas und Weinstöcke soweit das Auge reicht.

Pamplona – die quirlige Studentenstadt ist vor allem bekannt durch die Sanfermines. Im Mittelpunkt des im Juli stattfindenden Volksfestes steht der Stierlauf durch die Gassen der Stadt zur Arena. Dann herrscht hier kollektiver Ausnahmezustand. Außerhalb dieser Zeit lockt Pamplona mit einigen Sehenswürdigkeiten z. B. der großen Kathedrale de Santa María la Real, der sternförmigen Zitadelle sowie einer gemütlichen Altstadt. Und zwischendurch schlürft man im mondänen „Iruna“ – Hemingway´s Lieblings-Kaffeehaus – entspannt einen Eiskaffee.

Das andere Spanien hat mich überzeugt und viel zu schnell war die Zeit vor Ort vorbei.

Wenn ich Ihnen Lust gemacht habe, diese wundervolle Region zu erkunden, unterstütze ich Sie gern bei der Planung und Buchung Ihrer Reise.

Für Sie geschrieben von

Annett Schönfeld

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