Südafrika & Namibia

von Nico Hinkelthein erstellt am 29.05.2020

Afrika – hinterm Horizont versinkt glutrot die Sonne und malt in der Resthitze des Tages flimmernde Schattenbilder majestätisch unter Akazien posierender Löwen. Die weiße Massei bereitet den von der Jagd heimkehrenden Kriegern das Abendmahl. Von ihrer Lodge aus sieht Meryl Streep den Elefanten am Wasserloch beim Saufen zu, der Wein ist kaltgestellt, Robert Redford landet am nahegelegenen Rollfeld. Krokodil Hamm verlässt die Bücher unserer Kinderzeit und streift durch die Nacht … naja.
Südafrika, das Land der drei Hauptstädte, 11 offiziellen Landessprachen und dem Miteinander von Weißen, Farbigen, Asiaten und Schwarzen, dort wo „Schwarzer“ eben kein Schimpfwort ist, sondern eine ehrenhafte Bezeichnung, die die afrikanischsten aller Einwohner stolz für sich einfordern.
Namibia, viele Deutsche suchten ihr Glück dort, wenige fanden es wirklich, im Wüstensand.
Was ist so anders an den Menschen, an einer Gesellschaft, die es am Ende der Apartheid geschafft hat, dass Täter Reue bekunden und Opfer vergeben, dass der Mörder den überlebenden Angehörigen gar die Füße wäscht? Staatspolitik der Versöhnung, weltweit einzigartig bisher. Unvorstellbar für Gäste aus Ländern in denen oftmals ein Streit um nichts bis ans Lebensende führt.

Das Ende der Apartheit soll in Sachsen begonnen haben. Das scheint gut möglich, denn „Überall sind Sachsen“. Bald nun auch wir!
Am 11.02.2020 starten wir, all unsere Vorurteile im Gepäck, zu unserer Reise, natürlich per Taxi und direkt ab Haustür. Ullmann Gruppenreisen führen immer von dort hinaus in die Große Weite Welt und wieder zur Haustür zurück. Der Direktflug von Frankfurt nach Johannesburg endet 12 Stunden später mitten in Südafrika. Hier beginnt das Ullmann Programm, das uns mit fünf Tagen Afrika kompakt im Vorfeld und weiteren sechs Ullmann Landausflügen von der AIDA aus die Faszination Afrika erleben lassen wird.
Dagmar, ein Urgestein der deutschsprachigen Fremdenführer, nimmt uns am Flughafen in Empfang und lässt uns die nächsten Tage nicht los. Sie kennt „mein Afrika“, Land und Leute, die Tiere und die günstigsten Zeiten. Vier Tage mit ihr liegen vor uns, an denen wir gebannt ihren Ausführungen folgen, staunen und fotografieren werden, was die Speicherkarte nur schlucken kann.
Pretoria, eine der drei Hauptstädte, begrüßt uns mit schönstem Sommerwetter. Hier sitzt der Präsident und hier bekam Südafrika 1994 mit Nelson Mandela ein neues Gesicht. Der Abend sieht uns bei Folklore, African Food und kühlem Bier oder Wein. Und bald auch im Bett. Kurze Nächte und aufregende Tage warten auf uns.
Doch erstmal dürfen wir ausschlafen, die Nacht ist sechs Uhr zu ende. Auf der Panoramaroute fahren wir Richtung Nordost zum Mittagessen auf einer afrikanischen Farm mit Hausschwein als Hofhund und weiter zu einem der Naturwunder Südafrikas, dem Blyde River Canyon.

Wir besuchen Burkeys glückliche Strudellöcher, und warum der arme Burkey eigentlich unglücklich war, erfährt, wer mal mit Ullmann Reisen verreist.
Am nächsten Morgen ist vier Uhr die Nacht zu ende. Auf der Anreise zum Krüger Nationalpark malt uns am Horizont die aufgehende Sonne nun doch Silhouetten von Akazien – nur ohne Löwen, doch die warten bereits - vor den rot-gelb-anthrazit-hellblau leuchtenden Himmel. Sie schickt ihre Strahlen zu uns in den Bus und macht uns hellwach für ein Abenteuer der besonderen Art: Tierpark so ganz ohne Zaun zwischen Mensch und Tier. Ein wenig hoffen wir schon, dass sich Simba und Mamba gerade sattfressen.
Dank Dagmar sind wir die ersten Touristen am Park. Vier Safari Jeeps warten auf uns und die Fotojagd auf die Big Five beginnt.
Es dauert nicht lange und unsere Fahrerin wird unruhig. Ein reger Funkverkehr zwischen den Guides beginnt. Wer will, hört ein fernes drohendes Brüllen. Wenig später blickt Malika zu uns nach hinten, legt ruheanmahnend den Zeigefinger ihrer linken Hand auf den Mund und deutet mit der rechten hinüber zum Busch: „Löwen - Revierkampf!“ Im Jeep wird es mucksmäuschenstill.

Wir knipsen, was die Apparate hergeben und Malika erklärt: Im Busch gibt’s kein Hotel Mama oder zwanzig Semester Selbstfindung. Hier sagt „Vati“ wann Ende ist, rigoros und unmissverständlich. Später am Mittag werden wir ihn sehen, den König der Löwen, drüben unter den Sträuchern am See. Der hat dann „Mutti“ am Wickel und wird gut zu tun haben. Von Natur aus mit einer für uns Menschen schier unlösbaren Aufgabe betraut, muss er, der Katzenmann, der Katzenfrau zeigen, wer hier den Nachwuchs macht und wie, dreißig bis vierzigmal am Tag. Ob er dabei glücklich aussieht, wird nur das Kamerateam wissen, dass die beiden fest im Teleobjektiv hat. Aber erstmal suchen wir Elefanten.

Auf den Speicherkarten unserer Fotoapparate wird es eng.
Nach Timon und Pumba, jeder Menge Buschgeflatter und einem mittagsträgen Krokodil werden auch wir langsam müde, staunen nicht mehr wie am Morgen über Impalas, Giraffen, Nashörner, Büffel & Co. Eigentlich fehlen nur noch die Leoparden. Die aber erholen sich 100 Kilometer nordöstlich von den Streifzügen der Nacht und unser Wunsch, diese zu treffen, kann sich nicht gegen Hunger und Durst behaupten. Auf der Rückfahrt zum Hotel begegnet uns doch noch ein Leopard. Nicht ganz so groß wie erwartet und gelassen am Straßenrand wartend, aus Holz. Big Five – Bingo!

Dagmar kennt auch die Small Five … aber das ist eine andere Geschichte.
Am nächsten Tag, on the road nach Johannesburg, der größten Stadt Südafrikas, nutzt Dagmar die Zeit, uns mit ihrer Sicht auf ihr Land bekannt zu machen. Wir erfahren, warum viele der Afrikaner die Blechhütten der Townships den zahlreichen neuerbauten kleinen Häusern aus Beton vorziehen und warum die reichen Schwarzen und wohlhabenden Weißen in gut gesicherten Festungen wohnen. Und auch: Wann immer es geht, fährt sie im Pkw bei ROT über die Kreuzung. Das kann Leben retten. Das ist Südafrika.
Bevor es zum Flughafen geht, zeigt sie uns Johannesburg aus der Busperspektive. Ihre Sicht auf die Zukunft ist gemischt: Gleich nebenan soll eine Mega City entstehen, das New York von Afrika, finanziert und gebaut von den Chinesen, 200.000 Arbeitsplätze für Südafrika, ein Segen, erstmal.
Mit einem Buchtipp verabschiedet sich Dagmar von uns: „Der Elefantenflüsterer“ von Lawrence Anthony. „Müsst ihr lesen, Afrika pur!“. Dann machen Umarmungen und Trinkgeld – mehr als „nur verdient“ – den Abschied leichter. Bald schlafen wir uns glücklich und ein wenig „platt“ im Flieger gen Kapstadt. Den Koffern im Frachtraum geht’s da noch gut.
Nach der Landung in der europäischsten aller afrikanischen Städte wissen ein paar von uns, warum man nach Südafrika nicht das neueste Reisegepäck mitnehmen sollte und warum codiertes Verschließen, Vergurten und Verrammeln desselben unnötig Aufmerksamkeit auf die Koffer lenkt. Ich weiß mal wieder, wofür Reiseleiter ihr Geld noch so bekommen. Während ich im Hotel auf die Polizei warte, die bis heute nicht dort war, genießt die Ullmann Gästeschar den Nachmittag und den Abend an der Waterfront. Finanziert von einem Investor aus Dubai und gut bewacht von den Geschäftsleuten des Kauf- und Vergnügungszentrums ist das der sicherste Ort Südafrikas. Wer ein paar Meter weiter – gleich um die Ecke – zum Sea Point zieht, macht aus der Sicht von Seeleuten nichts falsch. Doch Kreuzfahrern kann „Schwarzer Samt auf weißem Laken“ nicht empfohlen werden.

Spätestens bei den Pavianen am „Kap der frechen Affen“ und oben auf dem Cape Point Lighthouse rächt sich das. Manchmal zeigen sich hier auch die restlichen zwei der BIG SEVEN. Doch die Wale haben auch in der Ferne heut keine Lust auf uns und wir keine Lust auf zu viel Nähe des weißen Haies. Der Abend erlebt uns bei African Food & Folklore.

Doch erstmal gehen wir an Bord, gesund und munter, etwas Landgangs müde -aber das nicht lange. Der zweite Teil des Ullmann Hauptprogramms findet vom Ozean-Hotel aus statt. Die Balance aus Schonung auf See und Ausflügen an Land ist dabei gut kalkuliert.
Los geht die Fahrt rund um Südafrika, erst ostwärts gegen die warmen Wasser des vom Indischen Ozean herüber kommenden Agulhas Strom, zurück zum Kap und dann mit dem arktisch kalten Benguela Strom nach Norden.
Über Durban und Port Elizabeth gelangen wir wieder nach Kapstadt, wo uns Dieter in Empfang nimmt, ein großer dickköpfiger Brummbär, der sich, im Bewusstsein über die Herkunft seines Einkommens und damit sensibel genug für die Wünsche seiner Gäste, beinahe liebevoll um uns kümmert.
Auf der Südhalbkugel „ist alles andersrum“. Während sich der Mond den Bewohnern der Nordhalbkugel aufrecht zeigt, liegt hier Frau Luna zumeist auf dem Rücken, was heimkehrenden Seefahrern regelmäßig beim Erinnern und Vorfreuen hilft. Also gibt sich auch Kapstadt dem Europäer untypisch „andersrum“ gastfreundlich, zieht das Tafeltuch vom Tisch und bedeutet uns damit, wir sind willkommen. Die 360 Grad Panorama Drahtseilbahn dreht uns heil zum Plateau des Tafelbergs rauf. Die „Traumstadt an der Tafelbucht“ liegt uns zu Füßen. Wir grüßen hinüber zu Signal Hill, Lions Head und Robben Island, fahren wieder talwärts und stecken schnell noch die nächste Speicherkarte ein.

Die Weinprobe im Gut Delheim bei Stellenbosch gelingt und hilft uns bei der Vorstellung, der Kirstenbosch National Botanical Garden stünde bei unserem Besuch voll in der Blüte. Es ist Spätsommer und so tut er das nur hier und da noch. Gut so, denn so ein Tag Südafrika kompakt birgt die Gefahr der Reizüberflutung. Trotzdem, die Spätblüher bestechen in Farbe und Duft, Augen und Nasen haben gut zu tun. Der Abend an der AIDA Poolbar hilft beim Verarbeiten. Damit wir Eindrücke und Gedanken erstmal ordnen und verarbeiten können, legt der Dampfer am Abend ab. Next Port: Lüderitz, Namibia.
An der Pier wartet unser Bus und vor ihm Mathys, unser Fremdenführer der nächsten Tage. Hier im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika haben unsere Ahnen ihr Glück gesucht und Unheil verbreitet. Das stört Mathys nicht. Lustig schnalzt und klickt er uns die Zahlen von 1 bis 30 in der Sprache der Xhosa ins Busmikrofon und freut sich dabei wie ein Kind. Wir passieren die Grenze des Sperrgebiets und wer hier einen Diamanten findet und einsteckt, lernt schnell den Kalabusch kennen, eines der typischen mollig warmen staubtrockenen Gefängnisse Afrikas. Mit Selbstversorgung.
Wir erreichen Kolmannskuppe, das ehemalige deutsche Diamantendorf, die heutige Geisterstadt. Turnhalle, Brauhaus, Kegelbahn, Metzgerei und Eisfabrik kucken noch aus dem Sand. Neben Krankenhaus und dem nahegelegenen Bahnhof sicherten sie Funktion und Kultur der typisch deutschen Unternehmung. Heute nun treibt jede Menge Sand durch die Häuser oder wandert als Dünen an diesen vorbei. Unbeeindruckt, also anders als wir.
Die AIDAmira schifft weiter nach Walvis Bay. Diesmal schließen sich ein paar unserer Gäste dem Lektor der Reise an. Vorbei an Flamingos, Pelikanen und den Küstendünen der Namib Wüste.

Hin und wieder verläuft sich ein Robbenbaby im Getümmel, ruft erst nach Mutti und liegt später tot am Strand. Dann kommt Bulle Robby aus dem Wasser und bald hat Mutti ein neues, wie immer. „Nur“ 60.000 von ihnen dürfen pro Jahr geschossen werden, erfahren wir und da freu ich mich doch wieder auf den Leipziger Zoo.
Der nächste Tag sieht uns auf Süd Kurs in Richtung Kapstadt. Mit der Seereise geht auch unser Abenteuer Südafrika und Namibia seinem Ende entgegen. Der letzte Abend in Kapstadt sieht Pelzrobben bei ihrem Spiel im Hafenbecken und uns beim Bummel über die Waterfront. Der Abschiedsschmerz ist altersgerecht. So verleiht uns die Vorfreude auf zuhause ausreichend Schwung beim Kofferpacken. „Muss sowieso alles gewaschen und gebügelt werden“. Der letzte Trink an der Poolbar kommt als getarnter Sandmann daher.

Am Abreisetag bringt uns Michelle im Bus zum Flughafen. Voll Inbrunst trällert sie dabei Volkslieder, Chansons und Schlager, in Afrikaans, Englisch und Französisch ins Mikrofon. Sie ist gut an die fünfzig, geschieden und muss sich durchs Leben beißen. Das lernt man in Afrika: Lachen und singen, auch wenn es mal nicht so gut läuft.

Das wird auch die Crew der AIDAmira bald wissen. Afrika ist Leben pur. Und manchmal kann Kreuzfahrt auch Seefahrt sein. Denn zwei Wochen nach uns wird der Kapitän der „Mutterstadt Südafrikas“ die eklig gelbe Flagge „QUEBEC“ zeigen müssen: Quarantäne, mein Schiff ist seuchenverdächtig. Dann wird Corona auch Südafrika erreicht haben.
Der Flieger hebt ab und lässt jedes unserer Vorurteile in Afrika zurück, ein Verlust, der nicht schmerzt. Der Frankfurter Flughafen begrüßt uns mit deutschem Charme. Gepäckwagen wie in Johannesburg sind Fehlanzeige. Zum Glück ist der weite Weg zum Bus asphaltiert – wir sind doch nicht in Afrika!
16 Stunden später setzen 12 Taxis die Ullmann Gäste glücklich, zufrieden und „fix und fertig“ zuhause ab, denn wir wissen ja: Ullmann Gruppenreisen beginnen und enden immer an der Haustür, auch der für den November 2020 geplante zweite Durchgang Südafrika & Namibia, wenn Corona uns lässt.

Lekker reis! (schöne Reise, Afrikaans) –Afrika wir kommen!


Für Sie geschrieben von

Nico Hinkelthein

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