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Indien

von Jacqueline Laube erstellt am 21.06.2019

Seit ich denken kann, faszinierte mich Indien mit seiner Kultur, den Farben, Menschen und Sehenswürdigkeiten. Immer schon bestand der Wunsch, dieses Land zu besuchen und in diese völlig andere Welt einzutauchen. Im Juni 2015 erfüllte sich dieser lang gehegte Traum – mit goXplore ging es eine Woche nach Rajasthan. Der Veranstalter goXplore gehört zu Gebeco und Dr. Tigges und spricht vor allem das junge Publikum zwischen 18 und 39 Jahren an. Charakteristisch für diese Reisen sind landestypische Unterkünfte, viel Kontakt zu Land und Leuten und eine einheimische, meist englischsprachige Reiseleitung. Vor der Reise erhielten wir das vollständige Programm, um uns einen Überblick über den Reiseverlauf und die verschiedenen Hotels machen zu können. Die Aufregung stieg!

Am 14.06.2015 ging es dann um 13 Uhr von Berlin Tegel mit Air Berlin nach Istanbul. Hier legten wir einen kurzen Zwischenstopp ein und trafen auf die restlichen Teilnehmer unserer Reisegruppe, die von anderen Flughäfen aus Deutschland angereist waren. Anschließend ging es mit Turkish Airlines nonstop weiter nach Delhi. Während des Fluges kamen wir in den Genuss des fabelhaften Bordservices – ein wirklich leckeres 3-Gänge-Menü sowie ein Reiseset aus Decke und Kissen, warmen Socken, Oropax und einer Schlafbrille sollten uns den langen Flug so angenehm wie möglich machen.

Nachts um 4 Uhr landete unsere Maschine dann in Delhi am Flughafen. Schon der erste Schritt aus dem Flughafengebäude heraus machte uns klar – hier sind wir nun, in einer völlig anderen Welt. Es war bereits um diese Zeit stickig warm (wir befanden uns kurz vor der Monsunzeit, die Luftfeuchtigkeit war hoch und es war sehr heiß) und die Straßen waren brechend voll. Hier lernen wir bereits zum ersten Mal die Gepflogenheiten des indischen Verkehrs kennen. Verkehrsschilder, so sie überhaupt existieren, sind eher als Empfehlung zu betrachten, es wird wild gehupt, gewunken, sich irgendwie aneinander vorbei geschoben und mitgeflossen – außer die heiligen Kühe, die haben natürlich IMMER Vorfahrt! So erwischte uns also bereits in den ersten kurzen Momenten der erste Kulturschock und wir waren heilfroh, als wir an unserem Hotel angekommen waren. Es war eine 3* Unterkunft mitten in Delhi, in einer Seitengasse. Streunende Hunde und Einheimische beobachteten uns interessiert. Unsere Gruppe – völlig geschafft von der Reise – wollte jedoch nur noch die Zimmer beziehen und sich kurz ausruhen. Viel Schlaf bekamen wir nicht. Nach etwa einer Stunde Erholung und der Möglichkeit sich frisch zu machen gab es ein kleines, landestypisches Frühstück im Hotel und schon ging es zu Fuß den restlichen Tag durch Old Delhi. Hier folgte dann der zweite Kulturschock. Es war laut, stickig, dreckig und die Straßen voller Autos, Rikschas, Mopeds, Fahrräder, Menschen … Wir spazierten durch enge Gassen und über Märkte mit Obst, Gewürzen, Stoffen und vielem mehr. Stellenweise türmte sich der Abfall und mittendrin standen Kühe, die darin nach Nahrung suchten. Für einen übermüdeten Europäer faszinierend und schockierend zugleich. Weiter führte uns der Spaziergang zur Jama Masjid Moschee und zum Tempel Sikh Gurudwara Sis Ganj Sahib. Unterwegs ließen wir uns einen original indischen Chai schmecken, der Beste, den wir jemals getrunken haben! Am Abend genossen wir typische indische Küche in einem Restaurant und fielen dann alle müde und erschöpft in unsere Betten.

Auch der nächste Tag begann sehr abenteuerlich – mit der Bahn ging es nach Agra. Das Bild am Bahnhof war geprägt von Menschen, die auf dem Fußboden schliefen, Alte und Junge, Familien mit Kindern … alle lagen sie da, schliefen oder warteten. Wir schlängelten uns mit unserem Gepäck hindurch und fanden uns zwischen Einheimischen in einem recht ordentlichen Zugabteil wieder. Zum Frühstück wurden uns schwarzer Tee, eine Art Toastbrot und einige landestypische Leckereien serviert. Vom Bahnhof in Agra brachte uns unser Bus in das nächste, deutlich „luxuriösere“ Hotel. Nachdem wir uns etwas frisch gemacht hatten, besuchten wir das Red Fort und waren, wie so oft auf dieser Reise, für die anwesenden Einheimischen eine Sensation. Unser Reiseleiter zeigte uns die alten Gemäuer und präsentierte uns einen traumhaften Blick auf das märchenhafte Taj Mahal, das wir am nächsten Tag besuchen sollten. Ausgeruht und voller Vorfreude machten wir uns also am nächsten Morgen auf den Weg zum berühmtesten Grabmal der Welt, dem Symbol unsterblicher Liebe und zu einem der sieben Weltwunder. Dieses Bauwerk auf Bildern zu sehen ist bereits eindrucksvoll, aber live davor zu stehen und es in seiner ganzen Pracht bewundern zu können, verschlägt einem erst einmal den Atem. Unser Reiseleiter gab uns einige Instruktionen und Tipps zum Besuch – vor allem empfahl er uns, nicht zu viel Zeit mit Fotos machen zu verbringen, denn für die Einheimischen waren wir zu dieser Jahreszeit beinahe das größere Spektakel und so wurde an jeder Ecke „Picture please?!“ gerufen und man wurde direkt freudestrahlend in die Familienrunde integriert. Die Schlange vor dem Taj Mahal war lang, doch wir hatten großes Glück und ein Reiseleiter nahm uns gegen einen kleinen Obolus auf eine Exklusivführung mit in die Grabkammer. Die filigranen Arbeiten sind unbeschreiblich, jeder noch so kleine Stein ist in seiner Form und Anordnung bewusst gesetzt. Wir kamen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus und waren beinahe enttäuscht, als wir wieder aufbrechen mussten.

Von Agra aus führte uns der Weg nach Tordi Garh, neben dem Taj Mahal mein ganz persönliches Highlight. In einem privaten Herrschersitz bezogen wir unsere Zimmer und fuhren anschließend mit Jeeps durch die nähere Umgebung um am Ende des Tages den Sonnenuntergang auf einer hohen Sanddüne zu genießen. Das Abendessen nahmen wir dann gemeinsam mit der Familie auf der Dachterrasse des Hauses ein und tanzten mit den Kindern anschließend Limbo. Die Gastfreundschaft und Aufgeschlossenheit der Inder begeisterten mich jeden Tag aufs Neue.

Am nächsten Tag unternahmen wir einen Rundgang durch das kleine Dorf, das nur wenig Anschluss an die Außenwelt hat und kaum über Technik verfügt. Viele Kinder kamen auf uns zu, baten um Fotos, posierten, strahlten, lachten, waren neugierig und wollten unbedingt die Bilder sehen, die wir von ihnen gemacht hatten. Es war beeindruckend zu sehen, wie glücklich diese Menschen dort sind, obwohl sie für unser europäisches Empfinden augenscheinlich so wenig besitzen.

Nach diesem Ausflug ging unsere Reise weiter nach Pushkar, wo wir das nächste Hotel bezogen und uns nach einer kleinen Verschnaufpause und einem Poolbesuch (unser erstes Hotel mit Pool!) auf den Rücken von Kamelen in Richtung Wüste machten. Hier genossen wir abermals den Sonnenuntergang und beobachteten eine Gruppe von Kindern, die hinter den Dünen spielten und reges Interesse an unserer Gruppe zeigte. Auf dem Rückweg kehrten wir im Hause einer Familie ein, die uns zum Abendessen eingeladen hatte. Auf der Dachterrasse setzten wir uns auf den Boden und ließen es uns schmecken. Einige aßen mit Besteck, andere (mich eingeschlossen) nahmen ganz landestypisch die Finger zum Essen.  Es wurde Musik gespielt, gelacht, getanzt und die Nacht genossen. Der nächste Morgen begann für einen Teil unserer Gruppe bereits um 4 Uhr morgens, da wir den Aufstieg des heiligen Berges in Angriff nehmen und den Sonnenaufgang erleben wollten. Am Fuße des Berges waren die Treppen noch relativ gleichmäßig und gerade, doch je höher wir kamen, um so felsiger wurde es und jede Stufe war unterschiedlich hoch und breit. Auf unserem Weg begegneten wir immer wieder einzelnen Affen und als wir endlich das Ziel erreicht hatten, saßen ganze Horden in den kahlen Bäumen und beobachteten uns neugierig. Bei einem leckeren Chai warteten wir auf den Sonnenaufgang und wurden mit einem herrlichen Blick über Pushkar, den heiligen See und das umliegende Land belohnt. Nach diesem sagenhaften Tagesstart statteten wir dem Markt von Pushkar einen Besuch ab, genossen das bunte Treiben und suchten nach landestypischen Urlaubsmitbringseln. Für die bevorstehenden Festlichkeiten kauften sich einige Frauen aus unserer Gruppe Saris (5-6 Meter lange, ungenähte, rechteckige Tücher in strahlenden Farben – traditionelles Kleidungsstück [Tracht] indischer Frauen), anschließend ging die Fahrt weiter nach Jaipur. Hier trafen wir auf die anderen Reisegruppen von GEBECO und Dr. Tigges und bezogen ein sehr schickes 4* Hotel. In den folgenden gemeinsamen Tagen lernten wir die rosarote Stadt Jaipur mit ihrem Palast der Winde, den bunten Märkten und dem Observatorium kennen. Aufregend wurde es, als wir uns zu 5. in eine Motorriksha drängten (welche in der Regel für maximal 4 Personen ausgelegt sind), welche der Fahrer mit einem „Affenzahn“ durch die engen Gassen der Altstadt jagte. Was waren wir froh, als wir endlich unser Ziel erreichten …
Ein Highlight zwischen Jaipur und Amber war der Besuch des Amber Fort – einer Festungsanlage auf dem Kamm eines Berghanges, deren Anblick sich durch die Spiegelung im darunter liegenden See noch beeindruckender wird. Für unsere Gruppen standen Jeeps bereit, die uns hoch auf die Festung brachten. Von hier aus konnten wir Elefantencaravanen beobachten, die andere Besucher den beschwerlichen Weg bis hoch in den großen Innenhof des Amber Forts brachten. Die Festung ist beachtlich und bietet einen traumhaften Blick auf das umliegende Land. Etwas anstrengend waren allerdings die Händler, die mit allen Mitteln versuchten, ihre Ware an den Mann zu bringen. Doch das tat dem Erlebnis keinen Abbruch.

Der letzte Ausflug auf unserer Reise führte uns nach Neu-Delhi, welches mich restlos ins Staunen brachte. Hier bot sich uns ein völlig gegenteiliges Bild zu Alt-Delhi – top gepflegte Grünanlagen, saubere Straßen und Gehwege, eindrucksvolle Justizgebäude, Botschaften und schicke Oldtimer. Kein Vergleich zu den stickigen, engen und dreckigen Gassen, die wir am ersten Tag erblickt haben.
Mit all diesen sehr gegensätzlichen und bemerkenswerten Eindrücken traten wir nach einer Woche in Rajasthan unsere Rückreise mit Turkish Airlines und Air Berlin an.

Mein Fazit – eine bessere Art, ein neues Land kennenzulernen, kann ich mir nicht vorstellen. Hautnah, mittendrin und ungeschönt. Nach diesem Erlebnis bin ich von Indien nur noch mehr begeistert und möchte nun auch gern den Süden dieses faszinierenden Landes kennenlernen.

Für Sie geschrieben von

Jacqueline Laube

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